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Im April 2007 entstand spontan die Idee, aus der Druckerei Fläschner im Grindelhof ein jüdisches Café zu machen. Leute fragten: Was kann an einem Kaffeehaus jüdisch sein? Bücher und Gebäck nach alten jüdischen Rezepten waren schon ein Schritt dahin. Doch wir wollten mehr, einen ideellen Rahmen. Der Verein Der Jüdische Salon am Grindel sollte es werden.
Lange, lange ist es her, dass es in Deutschland die klassischen Salons gab. Aus der Literatur liest es sich so, als wären sie eine jüdische Erfindung. Lange ist es auch her, dass es im Grindel jüdisches Leben gab.
Es ist wieder möglich und das Grindelviertel mit seiner neu eröffneten Talmud Tora Schule, mit Kindergarten und Grundschule, ist der Ort, an dem ein Cafe Leonar und ein Jüdischer Salon hingehören. Schnell entstand eine Satzung und der Verein wurde gegründet, bewilligt und eingetragen.
Mit diesem Schritt war mehr als eine juristische Form für eine Idee geschaffen worden: aus der ehemaligen Drucker-Werkstatt hinter dem Café wird ein Denkhaus, eine kleine Veranstaltungsoase, in der Lust am Lesen, Sprechen, Denken und Lernen geweckt wird und mehr Fragen als Antworten entstehen sollen.
Aus Vilém Flussers Jude sein
Um etwas zu verstehen, muss man es klassifizieren. Wenn man den Hasen als Nagetier klassifiziert, ihn also mit Ratten und Bibern vergleicht und Ähnlichkeiten feststellt, dann hat man etwas vom Hasen verstanden. Juden sind leider nicht so klassifizierbar wie Hasen. Die verfügbaren und scheinbar hier anwendbaren Kategorien wie Volk, Religion oder Kultur greifen auf eigenartige Weise daneben: Gerade weil sie eine Seite des Judentums fassen, entgleiten ihnen die anderen. Es ist zwar richtig, dass es so etwas wie eine jüdische Religion gibt, aber wenn ein Jude sich taufen lässt oder Atheist wird, bleibt er dennoch Jude. Und es ist ebenso richtig, dass es so etwas wie ein jüdisches Volk gibt, aber wenn ein Jude sich als Deutscher, Franzose oder Brasilianer identifiziert, bleibt er dennoch Jude, selbst wenn er getauft oder Atheist sein sollte. Das heißt: Jude sein ist mit Daseinsdimensionen wie Deutschsein oder Christsein im Grunde genommen unvergleichbar und daher sowohl für Juden als auch für Nichtjuden im Grunde genommen unverständlich.
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